Nach einem Schlaganfall können die richtigen Hilfsmittel entscheidend dazu beitragen, verlorene Selbstständigkeit zurückzugewinnen. Von Orthesen über Rollstühle bis hin zu Alltagshilfen für Küche und Bad – dieser Ratgeber gibt einen umfassenden Überblick über die wichtigsten Hilfsmittel nach Schlaganfall, den Weg zur Versorgung und die Kostenübernahme durch die Krankenkasse.
Welche Hilfsmittel gibt es nach einem Schlaganfall?
Die Hilfsmittelversorgung nach einem Schlaganfall richtet sich nach Art und Schwere der Einschränkungen. Die häufigsten Hilfsmittelgruppen sind:
Orthesen – Stabilität und Bewegungsunterstützung
Orthesen gehören zu den wichtigsten Hilfsmitteln nach einem Schlaganfall. Sie stabilisieren Gelenke, unterstützen die Bewegung und können die Gehfähigkeit deutlich verbessern.
- Fußheberorthese (Peronaeusorthese) – Bei Fußheberschwäche, die nach Schlaganfall sehr häufig auftritt. Die Orthese verhindert das Hängenbleiben des Fußes beim Gehen.
- Knieorthese – Bei Instabilität des Kniegelenks, um sicheres Gehen zu ermöglichen
- Handorthese – Bei eingeschränkter Handfunktion, zur Lagerung oder funktionellen Unterstützung
- Armorthese – Bei Lähmung oder Schwäche des Arms, zum Schutz und zur Positionierung
Tipp: Lassen Sie Orthesen immer von einem spezialisierten Sanitätshaus anpassen. Eine schlecht sitzende Orthese kann mehr schaden als nutzen.
Mobilitätshilfen – Sicher und selbstständig unterwegs
- Gehstützen und Gehstöcke – Für Patienten mit leichter Gangunsicherheit. Vierpunktgehstützen bieten besonders viel Stabilität.
- Rollator – Bei stärkerer Gangunsicherheit. Modelle mit Sitzfläche ermöglichen Pausen unterwegs.
- Rollstuhl – Bei schwerer Gehbehinderung. Leichtgewicht-Modelle lassen sich einhändig antreiben – wichtig bei einseitiger Lähmung (Hemiplegie).
- Elektrischer Rollstuhl – Wenn die Kraft zum Eigenantrieb nicht ausreicht. Spezielle Steuerungen für Einhand-Bedienung sind verfügbar.
Alltagshilfen – Selbstständigkeit im täglichen Leben
Viele alltägliche Handgriffe werden nach einem Schlaganfall zur Herausforderung – besonders wenn eine Körperseite betroffen ist. Spezielle Alltagshilfen können hier enorm helfen:
Küche und Essen:
- Besteck mit verdickten Griffen für besseren Halt
- Einhandbretter zum Fixieren von Lebensmitteln beim Schneiden
- Antirutschmatten und -unterlagen
- Spezialbecher mit zwei Griffen oder Nasenausschnitt
- Tellerranderhöhungen, damit Essen nicht vom Teller rutscht
Bad und Körperpflege:
- Duschstuhl oder Badewannensitz
- Haltegriffe an Wand und Toilette
- Toilettensitzerhöhung
- Lange Bürsten und Kämme für eingeschränkte Armbeweglichkeit
- Einhand-Seifenspender
Anziehen:
- Knöpfhilfen und Reißverschlusszieher
- Elastische Schnürsenkel (Schuhe ohne Binden)
- Strumpfanziehhilfen
- Kleidung mit Klettverschlüssen statt Knöpfen
Kommunikation und kognitive Hilfen
Wenn der Schlaganfall das Sprachzentrum betroffen hat (Aphasie), können Kommunikationshilfen unterstützen: von einfachen Bildtafeln über spezielle Apps bis hin zu elektronischen Sprachcomputern.
Wohnraumanpassung nach Schlaganfall
Neben mobilen Hilfsmitteln kann eine Anpassung der Wohnung sinnvoll sein:
- Türschwellen entfernen oder abflachen
- Haltegriffe in Bad, Flur und Treppenhaus
- Treppenlift bei Mehrfamilienhaus
- Rampen statt Stufen am Eingang
- Elektrische Türöffner
Für die Wohnraumanpassung können Zuschüsse bei der Pflegekasse (bis zu 4.000 Euro pro Maßnahme) und bei der KfW (altersgerechtes Umbauen) beantragt werden.
Kostenübernahme: Was zahlt die Krankenkasse?
Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten für medizinisch notwendige Hilfsmittel nach Schlaganfall. Voraussetzungen:
- Ärztliche Verordnung (Rezept)
- Das Hilfsmittel ist im Hilfsmittelverzeichnis gelistet
- Medizinische Notwendigkeit ist gegeben
Die Zuzahlung beträgt maximal 10 Euro pro Hilfsmittel. Detaillierte Informationen zum Beantragungsprozess finden Sie in unserem Ratgeber Hilfsmittel beantragen: Schritt für Schritt.
Wann brauche ich welches Hilfsmittel?
Die Hilfsmittelversorgung verändert sich im Verlauf der Rehabilitation:
- Akutphase (Krankenhaus): Lagerungshilfen, erste Mobilitätshilfen, ggf. Rollstuhl
- Rehabilitation: Orthesen, Therapiegeräte, Gangtrainer, erste Alltagshilfen
- Zu Hause: Alltagshilfen, Wohnraumanpassung, dauerhafte Mobilitätshilfen
- Langfristig: Anpassung und Optimierung je nach Fortschritt der Rehabilitation
Wichtig: Die Versorgung mit Hilfsmitteln sollte frühzeitig beginnen – idealerweise schon während der Rehabilitation. Sprechen Sie Ihre Therapeuten und Ärzte aktiv darauf an.
Beratung vor Ort
Die Wahl der richtigen Hilfsmittel erfordert fachkundige Beratung. Suchen Sie ein Sanitätshaus mit Erfahrung in der neurologischen Hilfsmittelversorgung auf. Dort werden Sie individuell beraten und die Hilfsmittel werden an Ihre persönliche Situation angepasst.
Ein interdisziplinäres Team aus Orthopädietechnikern und Physiotherapeuten kann die Hilfsmittelversorgung nach Schlaganfall deutlich verbessern. Wenn beispielsweise eine Fußheberorthese nicht nur technisch angepasst, sondern gleichzeitig ins Gangtraining integriert wird, profitieren Patienten nachweislich stärker. Anbieter wie Sanitätshaus Lettermann mit der Geh- und Bewegungsschule LettsFit und Krieger Sanitätshaus mit eigener Bewegungsschule in Koblenz setzen auf genau dieses Modell der engen Zusammenarbeit zwischen Orthopädietechnik und Physiotherapie.
