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Therapie – Wenn Technik und Therapie zusammenarbeiten

Im Neuro Case Management arbeiten Orthopädietechniker und Physiotherapeuten Hand in Hand – von der ersten Bewertung über die Hilfsmittelempfehlung bis zum Gangtraining. Dieses interdisziplinäre Zusammenspiel unterscheidet eine gute neurologische Versorgung grundlegend von der reinen Hilfsmittellieferung. Denn ein Hilfsmittel allein ist oft nicht genug – erst wenn Technik, Therapie und persönliche Betreuung zusammenwirken, kann echte Veränderung entstehen.

Gangtraining mit Orthese – Physiotherapeut und Orthopädietechniker arbeiten gemeinsam mit Patient

Warum Technik und Therapie zusammengehören

Vielleicht kennen Sie das: Sie haben eine Orthese oder eine Gehhilfe erhalten – und trotzdem das Gefühl: „Das hilft mir nicht wirklich.” Das geht vielen Menschen mit neurologischen Erkrankungen so. Der Grund ist häufig, dass Hilfsmittel und Therapie getrennt voneinander geplant werden.

In vielen Einrichtungen arbeiten Technik und Therapie nebeneinander. Im Neuro Case Management arbeiten sie miteinander:

  • Orthopädietechniker erstellen eine Orthese – abgestimmt auf Ihre Bewegungsfähigkeit
  • Physiotherapeuten trainieren mit Ihnen das Gehen mit dieser Orthese – und geben sofort Rückmeldung
  • Die Technik wird direkt angepasst, wenn nötig – ohne Wartezeit, ohne Umwege

Sie müssen sich um nichts kümmern. Das Team kümmert sich um alles – gemeinsam.

Der Ablauf: Ihr persönlicher Versorgungsplan

Das Neuro Case Management folgt einem strukturierten Ablauf, der individuell auf Ihre Situation angepasst wird:

1. Erstkontakt und Screening

Alles beginnt mit einem persönlichen Gespräch – telefonisch oder vor Ort. Dabei wird Ihre aktuelle Situation erfasst: Welche Einschränkungen haben Sie? Was sind Ihre Ziele? Wie sieht Ihr Alltag aus? In einem ausführlichen Screening werden Beweglichkeit, Gangbild und bestehende Versorgung analysiert.

2. Gemeinsame Versorgungsplanung

Auf Basis des Screenings erarbeiten Orthopädietechniker und Physiotherapeuten gemeinsam einen Versorgungsplan. Dabei werden bei Bedarf weitere Fachbereiche einbezogen:

  • Interne Bereiche: Ergotherapie, Geh- und Bewegungsschule, Reha-Technik
  • Externe Netzwerkpartner: Fachärzte, Mediziner, Rehakliniken, Industriepartner und Hilfsmittelhersteller
  • Psychologische Betreuung: Bei Bedarf Unterstützung bei der Verarbeitung der Erkrankung

3. Hilfsmittelempfehlung und Rezept

Basierend auf der gemeinsamen Analyse wird das passende Hilfsmittel empfohlen. Das kann eine Orthese, eine Prothese, ein Rollstuhl oder ein spezielles Therapiegerät sein. Der Orthopädietechniker erstellt einen Kostenvoranschlag, der bei der Krankenkasse eingereicht wird. Mehr zum Beantragungsprozess erfahren Sie unter Hilfsmittel beantragen.

4. Fertigung und Anpassung

Das Hilfsmittel wird individuell gefertigt – mit modernster Technik:

  • 3D-Scan statt Gipsabdruck – berührungslos, schnell und präzise
  • Computergestützte Konstruktion – individuelle Passform statt Serienware
  • 3D-Druck-Orthesen – leicht, anpassbar und funktional
  • Direkte Anpassungen vor Ort – keine langen Wartezeiten

5. Therapie und Training

Hier zeigt sich der entscheidende Unterschied: Die Physiotherapeuten trainieren gezielt mit dem neuen Hilfsmittel. In der Geh- und Bewegungsschule wird geübt:

  • Gangtraining mit der neuen Orthese
  • Gleichgewichts- und Koordinationsübungen
  • Treppensteigen und Alltagsbewegungen
  • Aufbau von Vertrauen in die eigene Bewegung

Die Therapeuten kennen das Hilfsmittel genau – denn sie waren bei der Entwicklung dabei. So wird das Hilfsmittel Teil Ihrer Bewegung, nicht ein Fremdkörper. Ein Beispiel für diesen Ansatz ist die Geh- und Bewegungsschule LettsFit, in der Patienten gezielt mit ihren Hilfsmitteln trainieren – begleitet von Therapeuten und Orthopädietechnikern unter einem Dach.

6. Auslieferung und Nachsorge

Nach der Trainingsphase erhalten Sie Ihr fertiges Hilfsmittel. Aber die Begleitung endet nicht mit der Auslieferung: Regelmäßige Kontrollen, Nachjustierungen und bei Bedarf weitere Therapieeinheiten sorgen dafür, dass die Versorgung langfristig optimal bleibt.

Welche Erkrankungen profitieren besonders?

Das interdisziplinäre Therapiemodell ist besonders wirksam bei:

  • Schlaganfall – Orthesen für Fußheberschwäche, Gangtraining, Wiedererlangung der Gehfähigkeit
  • Parkinson – Mobilitätshilfen kombiniert mit Gleichgewichtstraining und Sturzprävention
  • Multiple Sklerose – Anpassbare Versorgung an wechselnde Symptomatik
  • Schädel-Hirn-Trauma – Komplexe Rehabilitation mit individuell abgestimmten Hilfsmitteln
  • ALS – Vorausschauende Versorgungsplanung mit frühzeitiger Therapieintegration

Moderne Technologien in der Versorgung

Die neurologische Hilfsmittelversorgung hat sich in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt. Heute stehen innovative Technologien zur Verfügung, die gezielt im Rahmen des Neuro Case Managements eingesetzt werden:

  • Funktionelle Elektrostimulation (FES) – Systeme wie das L300 Go oder Fesia Walk unterstützen die Fußhebung durch gezielte elektrische Impulse und verbessern das Gangbild spürbar
  • Neuro-Orthesen – Innovative Orthesen wie die MyoPro erkennen über Elektroden verbliebene Muskelsignale und verstärken sie motorisch – so gewinnen Patienten gezielt Beweglichkeit zurück
  • 3D-gedruckte Orthesen – Individuell gefertigte, ultraleichte Orthesen aus dem 3D-Drucker, die perfekt an den Körper angepasst sind
  • Computergestützte Ganganalyse – Objektive Messung des Gangbilds als Grundlage für die Therapieplanung und Erfolgskontrolle

Was bedeutet das konkret für Sie?

  • Sie stehen im Mittelpunkt – Ihre Situation, Ihre Ziele, Ihr Alltag bestimmen die Versorgung
  • Ihr Hilfsmittel wird nicht einfach angepasst – es wird integriert in Ihre Therapie
  • Sie werden nicht „durchgeschleust” – sondern begleitet, über Wochen und Monate
  • Gemeinsame Planung – individuell, abgestimmt, verständlich

Das Ziel: Wieder mehr Beweglichkeit. Weniger Schmerzen. Mehr Vertrauen in den eigenen Körper. Und mehr Lebensqualität – jeden Tag.


Aus der Praxis: So arbeiten Orthopädietechnik und Physiotherapie zusammen

Pia Gotzen (Physiotherapeutin, LettsFit) und Timothy Schmidt (Orthopädietechnikmeister, Sanitätshaus Lettermann) besprechen gemeinsam mit einem Patienten die optimale Versorgung
Pia Gotzen (Physiotherapeutin, LettsFit) und Timothy Schmidt (Orthopädietechnikmeister, Sanitätshaus Lettermann) bei der gemeinsamen Patientenbetreuung in der Geh- und Bewegungsschule.

Bei Sanitätshaus Lettermann und der Geh- und Bewegungsschule LettsFit ist das Neuro Case Management gelebter Alltag. Orthopädietechnikmeister Timothy Schmidt und Physiotherapeutin Pia Gotzen zeigen, wie die bereichsübergreifende Zusammenarbeit in der Praxis aussieht.

Wie beginnt die gemeinsame Versorgung eines Patienten?

Timothy Schmidt: „Alles beginnt mit einem ausführlichen Erstgespräch. Wir schauen uns gemeinsam an, wo der Patient steht – welche Einschränkungen hat er, was sind seine Ziele im Alltag? Ich bringe die technische Perspektive ein: Welche Orthese oder welches Hilfsmittel kommt in Frage? Und Pia schaut gleichzeitig auf die Bewegungsmuster und die therapeutischen Möglichkeiten.”

Pia Gotzen: „Das Besondere ist, dass wir von Anfang an gemeinsam am Tisch sitzen – nicht nacheinander. Ich sehe den Patienten nicht erst, wenn das Hilfsmittel schon fertig ist, sondern bin von der ersten Beurteilung an dabei. So können wir die Therapie und die Technik von Anfang an aufeinander abstimmen.”

Wie findet ihr das passende Hilfsmittel?

Timothy Schmidt: „Wir machen eine gemeinsame Ganganalyse – ich schaue auf die biomechanischen Anforderungen, Pia auf das Bewegungspotenzial. Dann diskutieren wir: Braucht der Patient eine starre oder dynamische Orthese? Reicht ein Rollator oder brauchen wir etwas Spezielleres? Die Hilfsmittelempfehlung entsteht immer im Dialog – nicht als Einzelentscheidung.”

Pia Gotzen: „Und wenn das Hilfsmittel da ist, trainieren wir gemeinsam mit dem Patienten. Ich übe mit ihm das Gehen, das Treppensteigen, die Alltagsbewegungen – und wenn etwas nicht passt, ist Timo direkt da und kann anpassen. Keine Wartezeiten, keine Umwege.”

Was macht den Unterschied für den Patienten?

Pia Gotzen: „Die Patienten merken sofort, dass hier zwei Fachbereiche für sie zusammenarbeiten. Sie müssen nicht alles doppelt erklären, sie fallen nicht zwischen zwei Stühle. Und sie sehen schneller Fortschritte, weil Technik und Training von Anfang an zusammenpassen.”

Timothy Schmidt: „Am Ende geht es darum, dass der Patient mit seinem Hilfsmittel wirklich klarkommt – nicht nur, dass es technisch passt. Wenn eine Orthese perfekt sitzt, der Patient aber nicht weiß, wie er damit richtig geht, haben wir nichts gewonnen. Genau deshalb ist die Kombination aus Orthopädietechnik und Physiotherapie so wichtig.”


Wo finde ich Neuro Case Management?

Das interdisziplinäre Versorgungsmodell aus Orthopädietechnik und Physiotherapie unter einem Dach bieten nur wenige spezialisierte Sanitätshäuser an. Zu den Vorreitern gehören Sanitätshaus Lettermann mit der eigenen Geh- und Bewegungsschule LettsFit, in der Neuro Case Management täglich gelebt wird, sowie Krieger Sanitätshaus mit eigener Bewegungsschule am Standort Koblenz.

Fragen Sie bei Ihrem Sanitätshaus gezielt nach, ob Orthopädietechnik und Physiotherapie gemeinsam an Ihrer Versorgung arbeiten – das macht den entscheidenden Unterschied.

Häufige Fragen zur Therapie im Neuro Case Management

Brauche ich eine Überweisung?

Für die Hilfsmittelversorgung benötigen Sie ein Rezept von Ihrem Arzt. Die begleitende Therapie kann ebenfalls ärztlich verordnet werden. Für ein erstes Informationsgespräch ist keine Überweisung nötig.

Wer trägt die Kosten?

Die Hilfsmittelversorgung wird in der Regel von der Krankenkasse übernommen. Physiotherapie wird auf ärztliche Verordnung ebenfalls von der Krankenkasse bezahlt. Detaillierte Informationen finden Sie unter Hilfsmittel beantragen.

Wie lange dauert die Versorgung?

Die Dauer ist individuell und richtet sich nach Ihrer Situation. Das Erstgespräch und Screening dauern in der Regel 1–2 Stunden. Die gesamte Versorgung mit Therapie kann sich über mehrere Wochen erstrecken.

Was unterscheidet Neuro Case Management von normaler Hilfsmittelversorgung?

Bei der klassischen Hilfsmittelversorgung erhalten Sie ein Produkt. Im Neuro Case Management erhalten Sie einen Versorgungsplan – mit Technik, Therapie und persönlicher Begleitung aus einer Hand. Orthopädietechniker und Physiotherapeuten arbeiten gemeinsam an Ihrer Versorgung statt getrennt voneinander.