Ein Dekubitus – auch Druckgeschwür oder „Wundliegen” genannt – entsteht, wenn anhaltender Druck die Durchblutung der Haut unterbricht und das Gewebe geschädigt wird. Menschen mit neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall, Parkinson oder Multipler Sklerose sind besonders gefährdet, weil eingeschränkte Beweglichkeit und gestörte Sensibilität das Risiko massiv erhöhen. Die gute Nachricht: Dekubitus ist in den allermeisten Fällen vermeidbar – mit dem richtigen Wissen, konsequenter Prävention und passenden Hilfsmitteln.
Dieser Ratgeber auf dem Fachportal neurocasemanagement.de erklärt, warum neurologische Patienten ein erhöhtes Dekubitus-Risiko tragen, wie Sie die Stadien erkennen, welche Hilfsmittel zur Dekubitusprophylaxe existieren und wann professionelle Wundversorgung notwendig wird.
Was ist ein Dekubitus?
Ein Dekubitus ist eine lokal begrenzte Schädigung der Haut und des darunterliegenden Gewebes, die durch anhaltenden Druck entsteht. Wenn eine Hautstelle über längere Zeit belastet wird – etwa durch Liegen oder Sitzen in derselben Position – werden die feinen Blutgefäße zusammengedrückt. Das Gewebe wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und stirbt ab.
Im Volksmund spricht man von „Wundliegen” oder „Druckgeschwür”. Medizinisch korrekt ist die Bezeichnung Dekubitus (Plural: Dekubitalulzera). Ein Dekubitus kann innerhalb weniger Stunden entstehen, die Heilung dauert dagegen oft Wochen bis Monate – ein Grund mehr, konsequent vorzubeugen.
Warum sind neurologische Patienten besonders gefährdet?
Bei neurologischen Erkrankungen treffen häufig zwei zentrale Risikofaktoren zusammen: eingeschränkte Beweglichkeit und gestörte Sensibilität. Gesunde Menschen spüren Druckschmerz und verändern ihre Position unbewusst – auch im Schlaf. Neurologische Patienten können das oft nicht mehr.
Schlaganfall
Nach einem Schlaganfall führt eine Hemiparese (halbseitige Lähmung) dazu, dass Betroffene sich nicht selbständig umlagern können. Gleichzeitig ist die Sensibilität auf der betroffenen Seite häufig gestört – der Druck wird schlicht nicht wahrgenommen. Spastik nach Schlaganfall kann die Lagerung zusätzlich erschweren. Besonders die gelähmte Körperseite ist gefährdet.
Parkinson
Bei Morbus Parkinson führen Rigor (Muskelsteifheit) und Bradykinese (verlangsamte Bewegungen) zu deutlich weniger Spontanbewegung. Im fortgeschrittenen Stadium kommt Immobilität hinzu. Die fehlende Bewegungsvariation im Liegen und Sitzen erhöht das Dekubitus-Risiko erheblich. Tipps zur Unterstützung finden Angehörige von Parkinson-Patienten im entsprechenden Ratgeber.
Multiple Sklerose
Multiple Sklerose (MS) kann durch Spastik, Fatigue und fortschreitende Lähmungen zur Rollstuhlpflichtigkeit führen. Die Kombination aus eingeschränkter Mobilität und sensorischen Störungen macht MS-Patienten zu einer Hochrisikogruppe für Dekubitus im Rollstuhl.
Weitere neurologische Erkrankungen
Auch bei ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) mit fortschreitender Lähmung, nach einem Schädel-Hirn-Trauma mit Bewusstseinsstörung und Immobilität sowie bei Querschnittslähmung besteht ein sehr hohes Dekubitus-Risiko. Bei Querschnittslähmung ist die Gefährdung am größten, da sowohl die Sensibilität als auch die Bewegungsfähigkeit unterhalb der Läsionshöhe komplett fehlen.
Risikofaktoren erkennen – die Braden-Skala
Nicht jeder Patient mit einer neurologischen Erkrankung entwickelt automatisch einen Dekubitus. Entscheidend ist die Summe der individuellen Risikofaktoren. Die wichtigsten sind:
- Immobilität – Bettlägerigkeit oder dauerhafte Rollstuhlnutzung
- Fehlende Sensibilität – Druckschmerz wird nicht wahrgenommen
- Inkontinenz – Feuchtigkeit weicht die Haut auf und macht sie verletzlicher
- Mangelernährung und Flüssigkeitsmangel – geschwächtes Gewebe ist anfälliger
- Durchblutungsstörungen – z. B. bei Diabetes oder peripherer arterieller Verschlusskrankheit
- Hohes Alter – dünnere Haut, weniger Unterhautfettgewebe
- Bestehende Hautschäden – vorgeschädigte Haut ist besonders vulnerabel
Zur systematischen Risikoeinschätzung wird in der Pflege die Braden-Skala eingesetzt. Sie bewertet sechs Kriterien auf einer Punkteskala:
- Sensorisches Empfindungsvermögen – Kann der Patient Druckschmerz wahrnehmen?
- Feuchtigkeit – Wie stark ist die Haut Feuchtigkeit ausgesetzt?
- Aktivität – Wie mobil ist der Patient (gehfähig, rollstuhlpflichtig, bettlägerig)?
- Mobilität – Kann der Patient seine Position selbständig verändern?
- Ernährung – Ist die Nährstoffversorgung ausreichend?
- Reibung und Scherkräfte – Besteht Gefahr durch Verrutschen im Bett oder Rollstuhl?
Je niedriger der Gesamtwert (minimal 6, maximal 23 Punkte), desto höher das Dekubitus-Risiko. Bei neurologischen Patienten liegt der Wert häufig im kritischen Bereich – ein Grund, frühzeitig präventive Maßnahmen einzuleiten.
Die 4 Stadien des Dekubitus (EPUAP/NPUAP-Klassifikation)
Die internationale Klassifikation nach EPUAP (European Pressure Ulcer Advisory Panel) und NPUAP (National Pressure Ulcer Advisory Panel) unterscheidet vier Dekubitus-Stadien:
| Stadium | Beschreibung | Merkmale |
|---|---|---|
| I | Nicht wegdrückbare Rötung | Haut ist intakt, aber gerötet. Die Rötung bleibt auch nach Druckentlastung bestehen (Fingertest: Rötung lässt sich nicht wegdrücken). |
| II | Teilzerstörung der Haut | Oberflächliche Wunde, Blase oder offene, flache Stelle. Die oberen Hautschichten (Epidermis/Dermis) sind geschädigt. |
| III | Verlust aller Hautschichten | Tiefes, offenes Geschwür. Das Unterhautfettgewebe kann sichtbar sein, Knochen und Sehnen sind noch nicht freiliegend. |
| IV | Vollständiger Gewebeverlust | Ausgedehnter Gewebeschaden mit freiliegenden Knochen, Sehnen oder Muskeln. Hohes Infektionsrisiko. |
Wichtig: Bereits ab Stadium I sollte sofort gehandelt werden – Druckentlastung, Hautpflege und engmaschige Beobachtung. Ab Stadium II ist professionelle Wundversorgung durch geschultes Fachpersonal unverzichtbar.
Typische Körperstellen für Dekubitus
Ein Druckgeschwür entsteht vor allem dort, wo Knochen direkt unter der Haut liegen und wenig Polstergewebe vorhanden ist. Die gefährdeten Stellen unterscheiden sich je nach Position:
Im Liegen: Kreuzbein und Steißbein (häufigste Stelle!), Fersen, Schulterblätter, Hinterkopf und Ellenbogen. In Seitenlage zusätzlich Hüftknochen (Trochanter), Knie und Knöchel.
Im Rollstuhl: Sitzbeinhöcker (höchste Druckbelastung beim Sitzen), Steißbein und Schulterblätter. Wer nach einem Schlaganfall einen Rollstuhl nutzt, sollte besonders auf die sensibilitätsgestörte Seite achten – dort wird Druck nicht gespürt, und ein beginnendes Druckgeschwür bleibt unbemerkt.
Dekubitus vorbeugen – die wichtigsten Maßnahmen
Dekubitusprophylaxe ist eine der wichtigsten pflegerischen Aufgaben bei neurologischen Patienten. Die folgenden Maßnahmen können das Risiko entscheidend senken:
Regelmäßige Lagerung und Positionswechsel
Bettlägerige Patienten sollten mindestens alle zwei Stunden umgelagert werden – nachts wie tagsüber. Zwischendurch helfen sogenannte Mikrolagerungen: Kleine Positionsveränderungen (z. B. durch ein gefaltetes Handtuch unter einer Körperseite), die den Druck auf gefährdete Stellen verlagern.
Mobilisation – so viel Bewegung wie möglich
Jede Form von Bewegung hilft. Ob Aufstehen, kurze Gehstrecken oder Bewegungsübungen im Bett – Mobilisation ist die beste Dekubitusprophylaxe. Physiotherapeutische Angebote wie LettsFit unterstützen neurologische Patienten gezielt bei der Mobilisation und Sturzprävention. Auch die neurologische Rehabilitation zielt darauf ab, Beweglichkeit und Selbständigkeit wiederherzustellen.
Druckentlastung im Rollstuhl
Rollstuhlnutzer sollten alle 15 bis 30 Minuten ihre Position verändern. Sogenannte Push-ups (kurzes Anheben des Körpers von der Sitzfläche) oder seitliche Gewichtsverlagerungen entlasten die gefährdeten Stellen. Ist der Patient dazu nicht selbständig in der Lage, können Angehörige oder Pflegekräfte unterstützen.
Hautpflege
Die Haut sollte sauber und trocken gehalten werden. Bei Inkontinenz ist ein konsequentes Inkontinenzmanagement entscheidend – Feuchtigkeit weicht die Haut auf und macht sie deutlich anfälliger für Druckschäden. Verwenden Sie pH-neutrale Waschlotionen und schützende Barrierecremes.
Ernährung
Eine proteinreiche Ernährung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und die Versorgung mit Mikronährstoffen (insbesondere Vitamin C und Zink) stärken die Widerstandsfähigkeit der Haut und fördern die Wundheilung. Bei neurologischen Patienten mit Schluckstörungen (Dysphagie) sollte eine Ernährungsberatung hinzugezogen werden.
Tägliche Hautinspektion
Kontrollieren Sie die gefährdeten Körperstellen täglich – idealerweise bei der Körperpflege. Achten Sie auf Rötungen, die sich nicht wegdrücken lassen (Fingertest). Frühzeitiges Erkennen ist der Schlüssel zur Vermeidung schwerer Druckgeschwüre.
Hilfsmittel zur Dekubitusprophylaxe
Moderne Antidekubitus-Hilfsmittel können das Risiko erheblich reduzieren. Sie sind über die Krankenkasse verordnungsfähig – Informationen zur Beantragung finden Sie im Ratgeber Hilfsmittel beantragen. Wird ein Antrag abgelehnt, lohnt sich oft ein Widerspruch gegen die Ablehnung. Auch Hilfsmittel ohne Pflegegrad sind in vielen Fällen möglich.
| Hilfsmittel | Beschreibung | Einsatzbereich |
|---|---|---|
| Wechseldruckmatratze | Luftkammern werden abwechselnd befüllt und entleert – der Druck verlagert sich automatisch. | Bettlägerige Patienten mit hohem Risiko |
| Viskoelastische Matratze | Passt sich der Körperform an und verteilt den Druck gleichmäßig. | Patienten mit mittlerem bis hohem Risiko |
| Antidekubitus-Sitzkissen | Spezialkissen für den Rollstuhl mit Gel-, Luft- oder Schaumfüllung. | Rollstuhlnutzer |
| Lagerungskissen/-keile | Unterstützen die korrekte Positionierung und Druckentlastung im Bett. | Lagerung im Bett |
| Fersenschutz | Spezielle Fersenfreilagerung oder Schutzschuhe entlasten die Fersen komplett. | Bettlägerige Patienten |
| Inkontinenzhilfsmittel | Aufsaugende Materialien und Hautschutzprodukte gegen Feuchtigkeitsschäden. | Patienten mit Inkontinenz |
| Hautschutzcremes | Barrierecremes schützen die Haut vor Feuchtigkeit und Reibung. | Alle gefährdeten Patienten |
Spezialisierte Sanitätshäuser wie Lettermann am Niederrhein beraten zu individuell angepassten Antidekubitus-Hilfsmitteln – von der Matratze bis zum Rollstuhlkissen. In der Region Koblenz bietet das KRIEGER Sanitätshaus Druckmessungen und individuelle Rollstuhlkissen-Anpassung an. Die richtige Hilfsmittelauswahl sollte immer durch Fachpersonal erfolgen – eine individuelle Anpassung ist entscheidend für die Wirksamkeit.
Professionelle Wundversorgung – wenn ein Dekubitus entstanden ist
Trotz aller Prävention kann es – besonders bei schwer betroffenen neurologischen Patienten – zu einem Dekubitus kommen. Ab Stadium II ist eine professionelle Wundversorgung durch geschultes Fachpersonal unverzichtbar. Moderne Wundtherapie basiert auf dem Prinzip der feuchten Wundbehandlung:
- Moderne Wundauflagen – Hydrokolloide, Schaumstoffe, Alginate und Hydrogele schaffen ein optimales Wundmilieu
- Regelmäßige Wunddokumentation – Größe, Tiefe und Heilungsverlauf werden systematisch erfasst
- Schmerzmanagement – Dekubitalulzera können äußerst schmerzhaft sein und erfordern eine angemessene Schmerztherapie
- Ernährungsoptimierung – Wundheilung braucht Protein, Vitamin C und Zink in erhöhtem Maße
- Druckentlastung – Die betroffene Stelle muss konsequent entlastet werden
Spezialisierte Wundzentren wie WundSTARK in Viersen und Mönchengladbach bieten professionelle Dekubitus-Versorgung durch zertifizierte Wundexperten – von der modernen Wundauflage bis zur langfristigen Therapieplanung. Gerade bei neurologischen Patienten ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Wundversorgung, Neurologie und Pflege entscheidend.
Wenn ein Dekubitus entstanden ist, ist schnelles Handeln gefragt. Das Wundzentrum WundSTARK verbindet pflegerische Expertise mit moderner Wundtherapie und betreut auch Patienten mit komplexen neurologischen Grunderkrankungen.
Dekubitus im Rollstuhl vermeiden
Für viele neurologische Patienten – nach Schlaganfall, bei MS oder Querschnittslähmung – ist der Rollstuhl ein täglicher Begleiter. Die stundenlange Sitzbelastung macht gezielte Prävention besonders wichtig:
- Richtiges Sitzkissen wählen – Antidekubitus-Sitzkissen müssen individuell angepasst werden. Gel-, Luft- und Hybridkissen haben unterschiedliche Eigenschaften. Eine professionelle Druckmessung im Sanitätshaus zeigt, welches Kissen optimal entlastet.
- Sitzposition regelmäßig korrigieren – Verrutschen im Rollstuhl erhöht Scher- und Reibungskräfte. Die korrekte Sitzposition sollte regelmäßig überprüft und angepasst werden.
- Gewichtsverlagerung alle 15–30 Minuten – Push-ups, seitliches Neigen oder kurzes Vorbeugen entlasten die Sitzbeinhöcker. Angehörige oder Pflegekräfte können unterstützen, wenn der Patient dies nicht selbständig kann.
- Rollstuhl-Anpassung durch Fachpersonal – Ein schlecht angepasster Rollstuhl erhöht das Dekubitus-Risiko. Sitzbreite, Sitztiefe, Rückenlehne und Fußstützen müssen individuell eingestellt sein.
Weitere Informationen zur Rollstuhlversorgung finden Sie im Ratgeber Rollstuhl nach Schlaganfall.
Tipps für pflegende Angehörige
Pflegende Angehörige spielen eine Schlüsselrolle bei der Dekubitusprophylaxe. Die folgenden Empfehlungen helfen im Alltag – ausführliche Unterstützung bieten die Ratgeber für Schlaganfall-Angehörige und Parkinson-Angehörige:
- Hautkontrolle zur täglichen Routine machen – Integrieren Sie die Inspektion der gefährdeten Stellen in die tägliche Körperpflege. Nutzen Sie bei Bedarf einen Spiegel für schwer einsehbare Stellen.
- Lagerungstechniken erlernen – Professionelle Pflegeberatung nach § 37 Abs. 3 SGB XI steht Ihnen zu. Lassen Sie sich die richtige Lagerung und Mikrolagerung zeigen.
- Hilfsmittel beantragen – Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für Antidekubitus-Hilfsmittel. Ein ärztliches Rezept genügt. Informationen zum Ablauf finden Sie unter Hilfsmittel beantragen. Falls Sie noch keinen Pflegegrad haben: So beantragen Sie einen Pflegegrad.
- Professionelle Hilfe holen – Wenn trotz aller Bemühungen ein Dekubitus entsteht, ist das kein persönliches Versagen. Holen Sie sich umgehend professionelle Unterstützung – von Pflegediensten, Wundexperten oder spezialisierten Zentren.
- Pflegekurse nutzen – Die Pflegekasse bietet kostenlose Pflegekurse für Angehörige an. Dort lernen Sie unter anderem Lagerungstechniken, Hautpflege und den Umgang mit Hilfsmitteln.
Ein strukturiertes Neuro Case Management kann die Koordination aller Maßnahmen – von der Hilfsmittelversorgung über die Wundpflege bis zur Rehabilitation – deutlich erleichtern. Auch die Deutsche Schlaganfall-Hilfe bietet umfangreiche Informationen und Unterstützungsangebote.
Häufige Fragen zu Dekubitus bei neurologischen Erkrankungen
Wie schnell kann ein Dekubitus entstehen?
Ein Dekubitus kann bereits innerhalb von ein bis zwei Stunden entstehen, wenn eine Hautstelle ununterbrochen belastet wird. Bei neurologischen Patienten mit gestörter Sensibilität ist die Gefahr besonders groß, weil der Druckschmerz als natürliches Warnsignal fehlt.
Welche Körperstellen sind bei Rollstuhlfahrern am meisten gefährdet?
Bei Rollstuhlnutzern sind die Sitzbeinhöcker am stärksten gefährdet, da sie den größten Druck beim Sitzen tragen. Auch Steißbein und Schulterblätter sind Risikostellen. Ein individuell angepasstes Antidekubitus-Sitzkissen ist daher unverzichtbar.
Zahlt die Krankenkasse Antidekubitus-Hilfsmittel?
Ja, Antidekubitus-Matratzen, Sitzkissen, Lagerungshilfen und Fersenschutz sind im Hilfsmittelverzeichnis gelistet und werden von der Krankenkasse übernommen. Sie benötigen ein ärztliches Rezept. Detaillierte Informationen finden Sie unter Hilfsmittel beantragen und Widerspruch bei Ablehnung.
Was ist der Unterschied zwischen einer Wechseldruckmatratze und einer viskoelastischen Matratze?
Eine Wechseldruckmatratze verlagert den Druck aktiv durch abwechselndes Befüllen und Entleeren von Luftkammern – sie eignet sich für Patienten mit hohem Risiko und eingeschränkter Eigenbewegung. Eine viskoelastische Matratze (aus Schaumstoff) passt sich passiv der Körperform an und verteilt den Druck gleichmäßig. Die Wahl hängt vom individuellen Risikoprofil ab.
Wie erkenne ich einen beginnenden Dekubitus?
Das früheste Zeichen ist eine nicht wegdrückbare Rötung (Stadium I): Drücken Sie mit dem Finger auf die gerötete Stelle – bleibt die Rötung bestehen, handelt es sich um ein Dekubitus-Frühstadium. Sofortige Druckentlastung und engmaschige Beobachtung sind dann erforderlich.
Warum ist ein Dekubitus nach Schlaganfall besonders gefährlich?
Nach einem Schlaganfall fehlen oft zwei Schutzmechanismen gleichzeitig: Die gelähmte Seite kann nicht aktiv bewegt werden (keine Eigenumlagerung), und die Sensibilität ist gestört (Druckschmerz wird nicht wahrgenommen). Dadurch kann ein Dekubitus auf der betroffenen Seite über Stunden unbemerkt fortschreiten.
Wie oft sollte ein bettlägeriger Patient umgelagert werden?
Die allgemeine Empfehlung lautet alle zwei Stunden, auch nachts. Bei Patienten mit sehr hohem Risiko oder bereits bestehenden Druckstellen kann ein kürzerer Intervall (z. B. alle 1–1,5 Stunden) nötig sein. Mikrolagerungen zwischendurch ergänzen die großen Positionswechsel.
Kann ein Dekubitus vollständig heilen?
Ja, ein Dekubitus kann heilen – aber die Heilungsdauer hängt stark vom Stadium ab. Stadium I und II heilen bei konsequenter Druckentlastung und richtiger Pflege meist vollständig. Stadium III und IV erfordern professionelle Wundversorgung und können Wochen bis Monate dauern. Narbig geheiltes Gewebe bleibt dauerhaft anfälliger für erneute Druckschäden.
Brauche ich einen Pflegegrad, um Dekubitus-Hilfsmittel zu bekommen?
Nein, viele Hilfsmittel zur Dekubitusprophylaxe werden unabhängig vom Pflegegrad von der Krankenkasse übernommen – ein ärztliches Rezept genügt. Mehr dazu erfahren Sie im Ratgeber Hilfsmittel ohne Pflegegrad. Ein Pflegegrad eröffnet allerdings zusätzliche Leistungen wie Pflegehilfsmittel zum Verbrauch.
Wo finde ich professionelle Hilfe bei Dekubitus?
Erste Anlaufstellen sind der Hausarzt und der ambulante Pflegedienst. Für die Hilfsmittelversorgung beraten spezialisierte Sanitätshäuser wie Lettermann (Niederrhein) oder KRIEGER (Region Koblenz). Bei bestehenden Wunden bieten spezialisierte Wundzentren wie WundSTARK (Viersen und Mönchengladbach) professionelle Versorgung durch zertifizierte Wundexperten.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische oder pflegerische Beratung. Bei Verdacht auf einen Dekubitus oder zur Klärung Ihres persönlichen Risikos wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt, Ihre Pflegefachkraft oder ein spezialisiertes Wundzentrum. Stand: September 2026.
